Antiker Deppenapostroph
Welch schrecklicher Irrtum. Die fälschliche und falsche Anwendung des angelsächsischen Genitivs im Deutschen, in Formen wie Mandy's Woll-Lädchen, Gitte's Imbiss oder gar Handy's für alle, hielt ich bislang für ein in Nachwendezeiten über dieses Land gekommenes Problem. Für einen sächsischen Genitiv sozusagen.
Ich lag ja so falsch.
Bei der Suche nach hübschen Beispielen für mein nicht-digitales Leben fand ich eine Ausgabe der Odyssee, allerliebst in Fraktur gesetzt und im Jahr 1860 in Stuttgart erschienen, natürlich auch die dazu gehörende Ausgabe der Ilias.
Und was steht auf Buchrücken wie Vorsatzblatt? Mit Erschrecken zur Kenntnis genommen:
Homer's Werke - Homer's Odyssee.
Sollte der Begriff Deppenapostroph nur die fehlende Bildung derjenigen zeigen, die nicht verstanden haben, dass diese Form nur im Osten unseres Heimatlandes überlebt hat und vom Antifaschistischen Schutzwall vor der Auslöschung bewahrt wurde? Oder haben bisweilen hier vorbeischauende Sprachkundige eine bessere Erklärung?
Ich lag ja so falsch.
Bei der Suche nach hübschen Beispielen für mein nicht-digitales Leben fand ich eine Ausgabe der Odyssee, allerliebst in Fraktur gesetzt und im Jahr 1860 in Stuttgart erschienen, natürlich auch die dazu gehörende Ausgabe der Ilias.
Und was steht auf Buchrücken wie Vorsatzblatt? Mit Erschrecken zur Kenntnis genommen:
Homer's Werke - Homer's Odyssee.
Sollte der Begriff Deppenapostroph nur die fehlende Bildung derjenigen zeigen, die nicht verstanden haben, dass diese Form nur im Osten unseres Heimatlandes überlebt hat und vom Antifaschistischen Schutzwall vor der Auslöschung bewahrt wurde? Oder haben bisweilen hier vorbeischauende Sprachkundige eine bessere Erklärung?
40something - 15. Nov, 12:58
5 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks - 623 mal gelesen
saoirse - 15. Nov, 13:40
der kontaktlinguist spricht, glaube ich, hier von "reinforced convergence phenomena" (mein kontaktlinguist ist noch unterwegs, werde ihn heute abend befragen). die apographie hat keineswegs nur im osten des landes überlebt, sondern ist wahrscheinlich schon seit gutenberg und caxton durch das englische immer wieder "reinforced" worden (es gibt einfach kein gescheites deutsches wort, wieder verstärkt oder so). wahrscheinlich hatten die klassischen philologen, die deine odyssee herausgegeben haben (war es schadewald, voß oder noch jemand älteres?) gerade erfolgreich ein für damalige verhältnisse noch ungewöhnliches anglistikstudium absolviert und wollten daher ihre kenntnis der nicht nur klassischen sprachen zum ausdruck bringen.
40something - 15. Nov, 15:19
Na, wer stellt wohl seinem Werk eine Weihe in wundervollem Versmaß voran?
Stolberg, über der Stadt am besegelten Busen der Ostsee
Nahe der fruchtbaren Flur, wo der dänische Pflüger den Deutschen,
Dieser den Dänen versteht, dem geengeten Erbe der Angeln:
Kränzet den Bord, der des Meers einst höhere Fluten zurückzwang...
und so.
(Klar, war Johann Heinrich Voß)
Stolberg, über der Stadt am besegelten Busen der Ostsee
Nahe der fruchtbaren Flur, wo der dänische Pflüger den Deutschen,
Dieser den Dänen versteht, dem geengeten Erbe der Angeln:
Kränzet den Bord, der des Meers einst höhere Fluten zurückzwang...
und so.
(Klar, war Johann Heinrich Voß)
Iggy - 18. Nov, 19:37
es gibt so sachen,
die setzen sich einfach durch, bestes beispiel dafür ist das wort "einzigste" oder "einzigster", wie auch immer.
wenn ich es richtig sage, gucken die mich an, als wäre ich nicht ganz gescheit...
wenn ich es richtig sage, gucken die mich an, als wäre ich nicht ganz gescheit...
40something - 18. Nov, 22:53
Äh, wie sagt man "Einzigster" richtig? ;-))
saoirse - 19. Nov, 13:12
ich dachte, Iggy sei die optimalste lösung dieses problems bereits bekannt.
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